Jindrich Streit – Village People

1965–1990. Auflage 1500. Thomas Gust, Ana Druga (Hrsg.). Vladimír Birgus. Buchkunst Berlin 2020. Deutsch, Englisch, Französisch. 184 Seiten, 137 Abb. (davon 137 s/w). 30 x 22 cm. 1,4 kg. Leinen. 9783981980561. art-41627
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Jindřich Štreit ist ein außergewöhnlicher Chronist und Erzähler. Über fünf Dekaden beschreibt er in seinen schwarz-weiß Fotografien das Leben auf dem Land in den tschechischen Regionen Nordmährens und Böhmen.

Es ist eine umfassende fotografische, wie auch soziologische Studie, ähnlich in ihrem Umfang und künstlerischer Qualität, wie die eines August Sander in Deutschland oder Eugene Atget in Paris. In einer eigenen Stilistik und Bildsprache, nur eben gewachsen im Verborgenen, am äußersten Ende der damaligen Welt. In Wirklichkeit liegt Sovinec ziemlich genau in der Mitte in Europas. Diese Region ist geprägt von den Wirren und Beschädigungen der Weltkriege und einer nachfolgenden Diktatur, deren Rituale und Bildwelten in der damaligen Alltagswelt, für uns heutige Betrachter, oft absurd erscheinen.

Jindřich Štreit beschreibt die Vereinzelung und Vereinsamung des Menschen im Alltag des sozialistischen Kollektives. Doch im Privaten, sowie auf den gemeinsamen Festen und Begegnungen zeigen die Fotografien die Lebensfreude, eine starke Gemeinschaft und Solidarität. In der Gegenüberstellung mit den Aufnahmen der offiziellen Kundgebungen und Feierlichkeiten des Staates wird dies um so deutlicher. Dem dokumentarischen Stil, wie auch dem lyrischen Realismus – beide finden sich in der Fotografie Jindřich Štreits – geht ein ‚Miteinander Leben‘ voraus. Streit kennt diese Menschen, welche er fotografiert. Daher ist diese Nähe erst möglich und seine empfindsame Bildsprache zu verstehen, diese radikale Poesie und Echtheit der Situation.

Der Kontrast der Aufnahmen Streits zu den offiziellen ideologischen Darstellungen konnte nicht gravierender sein. Die Kritik an den bestehenden Lebensverhältnissen war in den Bildern immer vorhanden und konnte von einem totalitären Staat in seiner erstarrten Vokabel und Zeichensprache nicht anders, als eine Kritik verstanden werden. Das führte ab den 80er Jahren zu einem Veröffentlichungsverbot in jeder Form, Festnahmen und ständiger Kontrollen durch die Staatsmacht. So blieb er, trotz permanentem Fotografierens bis zum Ende des Sozialismus in der Fotogeschichte ein Unbekannter. Seit den 90er Jahren, nach seiner Rehabilitierung, wurden seine Bilder weltweit gezeigt und sind in den wichtigsten Fotografischen Sammlungen vertreten. In seinem Heimatland ist er einer der bekanntesten Fotografen, wie auch ein geschätzter Lehrer an den führenden Hochschulen Tschechiens. Immer noch fotografiert Jindřich Štreit und gibt Workshops. Allerdings fehlt bisher auf dem internationalen Buchmarkt eine umfassende Monografie zum fotografischen Werk Jindřich Štreits, welche seine Arbeit und so besondere Sicht auf das menschliche Leben einem Publikum über die tschechischen Grenzen hinweg vorstellen kann.